Corona – Perú im Lockdown

Was bedeutet die Pandemie für die Menschen in Perú?

Die Situation in Perú erinnert mit einem zeitlichen Verzug von ein bis zwei Wochen an die Maßnahmen, die uns auch hier in Deutschland bekannt sind. Geschäfte werden strengen Auflagen unterzogen oder geschlossen, Schulen werden stillgelegt, der öffentliche Nahverkehr steht still. Anders ist, dass es zu bestimmten Uhrzeiten Ausgangssperren gibt, die von Polizei und Militär überwacht werden. Aber auch tagsüber ist das Leben stark eingeschränkt – größere Märkte sind geschlossen und damit die wichtigste Quelle für Lebensmittel. Der Straßenverkauf von Lebensmitteln, Waren und Speisen ist eingestellt – eine wesentliche Einnahmequelle gerade für die ärmeren Bevölkerungsschichten ist damit komplett weggebrochen. Aber auch die Versorgung mit Lebensmitteln ist für die Menschen in Perú schwierig geworden. Wo die Versorgung ohnehin nicht immer lückenlos ist, haben Hamsterkäufe zu gänzlich leeren Regalen geführt. Wer sich den Einkauf im Supermarkt nicht leisten konnte, hat nun ernste Versorgungsprobleme.

Das Gesundheitssystem ist desolat und in keinster Weise ausreichend. Auf rund 23 Millionen Menschen gibt es landesweit rund 600 Intensivbetten (Stand 04/2020). Da aber nur reiche Menschen und die geringe Zahl der mittleren Einkommen eine Krankenversicherung bezahlen können und es eine staatliche Minimal-Versorgung nur für wenige staatlich Angestellte gibt, kann der große Teil der Menschen ohnehin nicht in Krankenhäusern behandelt werden. Die Kosten für medizinische Behandlungen sind vergleichbar mit denen in Europa, nur die Einkommen und Verdienste der Menschen sind um ein Vielfaches geringer, erst recht im informellen oder landwirtschaftlichen Bereich.

Viele Menschen haben sich auch nach der sehr schnellen Entscheidung des Präsidenten für einen Lockdown noch angesteckt. Mangelnde Disziplin oder Sorglosigkeit? Vielleicht. Wenn aber keinerlei soziale Sicherheiten existieren und sehr viele Menschen durch den Lockdown keinerlei Einnahmen mehr haben, entscheiden sie sich ohnehin zwischen gesundheitlichen Folgen einer Infektion oder den Folgen von Hunger und Unterernährung.

Die Datenbasis für Perú ist dürftig. Die Anzahl der durchgeführten Tests ist gering und die Statistik wird vermutlich nur einen Bruchteil der tatsächlich Infizierten widergeben. Die Regierung kann noch so beherzt entscheiden und – so gut wie lange nicht mehr – über die Lage und Entscheidungen kommunizieren. Der Lockdown ist bis zum 10 Mai verlängert.

Corona ist auch in den Dörfern das Thema, in denen unsere Schulen sich befinden. Der Schulbetrieb ist ausgesetzt. Aktuell können unsere Mitarbeiter vor Ort die Schulen und Familien nicht besuchen – die Wege sind abgeriegelt. Wir haben aber telefonisch Kontakt mit den Lehrern. Sie berichten bisher, dass die Familien sich aus ihrer Landwirtschaft versorgen können. Wir hoffen darauf, schon bald mit Lebensmitteln hinfahren zu können. Sobald die Mobilität möglich ist, werden wir uns ein Bild vor Ort machen.

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